5 Fragen, die du dir stellen solltest, bevor du eine Pilates-Ausbildung anfängst
„Lena, welche Pilatesausbildung kannst du empfehlen?“
Die Frage kriege ich wöchentlich von euch gestellt. Und ich fühle mich total geehrt. Denn es zeigt mir, dass ihr meine Arbeit gut findet und ihr euch vielleicht das Wissen aneignen wollt, welches ich an euch weitergebe. Wenn ich kurz antworten soll, dann muss ich sagen: Ich kann euch keine Ausbildung empfehlen! Ja genau, richtig gelesen. Ich kann euch keine Pilatesausbildung empfehlen.
Die Ausbildung, die ich selbst gemacht habe, war wirklich nicht gut. Ich wurde in Köln ausgebildet und war nicht zufrieden. Das Wissen war mir nicht tiefgründig genug, zu wenig Korrektur und die Teilnehmer*innen waren auf sehr unterschiedlichen Leveln, was das Lernen sehr erschwert hat.
Ausbildungen, die ich nur vom Hörensagen kenne, kann ich euch auch nicht empfehlen. Ich habe nun einmal nicht daran teilgenommen.
Trotzdem möchte ich euch Tipps geben, wie ihr an das Thema „Pilatesausbildung“ herangehen könnt, um euch ein eigenes Bild zu machen:
5 Fragen, die ihr euch stellen solltet:
1. Welche Art von Pilates möchte ich unterrichten?
Überlege dir zunächst, welche Art du von Pilates unterrichten willst. Willst du nur Mattenpilates unterrichten? Ist es dir wichtig, dass du auch am Reformer oder Cadillac arbeiten kannst? Es gibt allumfassende Ausbildungen, welche die typischen Pilatesgeräte und Matte abdecken. Du kannst dich aber zum Beispiel auch nur auf Mattenpilates spezialisieren (das bieten aber nicht alle Ausbildungsstätten an).
2. Wie viel Geld und Zeit kann und möchte ich investieren?
Es gibt Workshops, die nur über 1-2 Wochenenden gehen. Daneben gibt es Ausbildungen, die sich über ein Jahr und sogar noch länger ziehen. Die Frage ist natürlich, was du genau erreichen möchtest und welche Vorkenntnisse und Erfahrungen du mitbringst. Wenn du in deinem lokalen Sportverein ab und an eine Pilatesstunde vertreten willst, dann bist du vielleicht mit einem Wochenend-Workshop vollkommen zufrieden. Du solltest andere Ansprüche haben, wenn du dein eigenes Pilatesstudio aufmachen willst oder Personal Trainer*in mit der Spezialisierung Pilates sein möchtest.
3. Welche Vorkenntnisse habe ich?
Zum Thema Vorkenntnisse: Ich zum Beispiel habe schon Fitness und Gesundheitsmanagement studiert, habe über 15 Jahre Kursleitererfahrungen, habe diverse Ausbildungen und Lizenzen (Group Fitness, Personal Trainer, Rückenfit, Barre etc.). Ich musste somit nicht mehr lernen, wie eine Gruppe angeleitet wird oder wie der menschliche Körper aufgebaut ist. Solltest du keinerlei Vorerfahrungen haben, wirst du dich wahrscheinlich auch nach zwei Wochenenden noch nicht sicher fühlen. Aber Übung macht den/die Meister*in.
4. Was möchte ich damit erreichen?
Stell dir wirklich die Frage, wofür du die Ausbildung machen möchtest. Geht es dir um deine berufliche Weiterbildung? Möchtest du nachher in einem renommierten Pilatesstudio arbeiten? Dann solltest du eine Ausbildung suchen, die (wenn du noch keine Ausbildung hast), an deren Ende auch eine Prüfung absolviert wird. Je nachdem, wo du unterrichten willst, sollte die Ausbildung des jeweiligen Studios auch zertifiziert sein.
In Deutschland gibt es den Deutschen Pilates Verband. Auf deren Homepage findet ihr die verschiedenen Ausbildungsinstitute in Deutschland, die von diesem Verband anerkannt sind. Bei den Ausbildungen könnt ihr euch sicher sein, dass ihr fundiertes und umfassendes Wissen vermittelt bekommt. Die Ausbildungskosten liegen je nach Institut zwischen 3000 und 6000 Euro und gehen ca. über ein Jahr.
Kurze Ausbildungen werden zum Beispiel von der IST Hochschule, Akademie für Sport und Gesundheit oder DTB Akademie angeboten (Hinweis: Ich weiß über keine dieser Ausbildungen, ob sie gut sind oder nicht).
Du kannst auch – wenn du ein bestimmtes Pilatesstudio vor Augen haben solltest, bei dem du arbeiten willst – einfach hingehen und fragen, welche Anforderungen das Studio an seine Trainer stellt, was die Ausbildung und Vorkenntnisse angeht.
Denkst du an eine Pilatesausbildung eher aus persönlichen Gründen? Also vielleicht willst du einfach tiefer in dein Hobby einsteigen oder du brauchst mal einen Richtungswechsel oder eine neue Herausforderung? Oder du weißt einfach noch gar nicht wirklich, was du am Ende damit machen willst?
Dann muss die Ausbildung vielleicht nicht zwingend eine Prüfung beinhalten. Vielleicht machen ja auch mehrere (Einzel-)Stunden bei verschiedenen Trainer*innen und Studios Sinn. Vielleicht wäre ein Pilates-Retreat genau das Richtige für dich. So bist du nicht an verschiedene Termine gebunden, sondern kannst nach Persönlichkeit des Trainingspersonals gehen und/oder danach, wie dir der Ausbildungsort gefällt.
5. Online oder in Person?
Möchtest du nachher online unterrichten? Vielleicht ist es dir dann lieber auch die Ausbildung online zu absolvieren, um zu sehen, wie man via Bildschirm arbeitet. Möchtest du deinen Körper selbst besser kennenlernen und hast das Gefühl, du brauchst viel Hilfestellung bei Übungen? Dann würde ich eher eine Ausbildung anstreben, die in Person stattfindet.
Was ich unglaublich wichtig finde ist, dass du immer neugierig bleibst und nicht den Spaß am Lernen verlierst. Du kannst einfach kein/e gute/r Pilatestrainer*in sein, wenn du deine Ausbildung vor 20 Jahren abgeschlossen hast, dich dann aber nie weiter fortgebildet hast. Das ist meines Erachtens einfach nicht möglich. Die Wissenschaft zum Thema Sport – und ja, auch zum Thema Pilates –entwickelt sich stetig weiter. Bleib am Ball. Bleib neugierig – und probiere aus. Wenn ich in einer anderen Stadt bin, schaue ich immer, welche guten Pilatesstudios es gibt und bei welchem/r Trainer*in ich eine Privatstunde buchen möchte.
Wie vorhin schon erwähnt, stelle dir selbst die Frage, was du erreichen. Apropos Ausprobieren: Ich kann euch nur empfehlen, verschiedene Trainer*innen und Stundenkonzepte wahrzunehmen. Jeder Trainer unterrichtet individuell. Schaut euch Dinge ab, die euch besonders gut gefallen. Nehmt zur Kenntnis, mit welchen Redewendungen, Anweisungen etc. ihr nicht so gut zurechtkommt.
Auch wenn es um Ausbildungen geht, gibt es oft die Möglichkeit, einfach mal vorher eine Stunde bei eurem Ausbildungslehrer zu absolvieren. Dann könnt ihr im Vorhinein schauen, ob euch der Stil gefällt und die Persönlichkeit mit eurer kompatibel ist.
Ich freue mich, dass ihr euch für Pilates so sehr interessiert und begeistern könnt, dass ihr darüber nachdenkt, eine Ausbildung zu machen. Wenn ihr euch entschieden habt, wie es für euch weitergeht, vergesst nicht, mir davon in einer DM oder einem Kommentar zu erzählen.
Eure Lena